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Qualität macht Schlagzeilen

Immer schön im Trinkfluss bleiben

Artikel aus der Rhein-Zeitung, 09.10.2017

Neueröffnung Rüdesheim huldigt dem Rheinwein: Einzigartige Vinothek bietet Winzern entlang des Stroms eine Plattform

Rüdesheim. Es gibt Menschen, die meinen, mit Visionen müsse man zum Arzt gehen. Und es gibt andere, die sich fragen, was davon sich in die Realität retten lässt. Annette Perabo zählt definitiv zu Letzteren. Jenen, die eine verrückte Idee nicht schreckt. Die vor der Herausforderung nicht kapitulieren, sondern entschlossen die Ärmel hochkrempeln, um kopfschüttelnden Zweiflern zu zeigen, dass es das gibt, dass ein Traum wahr wird. Ihre Vision: eine Vinothek, die sich um Anbaugrenzen nicht schert, weil sie sich am natürlichen Verlauf des Rheins orientiert. „Ich hab Riesling im Blut“, erklärt Perabo, Spross zweier Rheingauer Winzerdynastien, mit einem Schulterzucken. Ihre genetische Vorbelastung dürfte geholfen haben. In Momenten, in denen sich die umtriebige Endvierzigerin fragen musste, ob ein Gang zum Arzt nicht schlauer gewesen wäre. Alles Geschichte. Denn nur sechs Monate nach dem Ärmelhochkrempeln ist Perabos Wunschtraum Realität. Auf 1500 Quadratmetern präsentieren sich 80 Weingüter, die eines gemeinsam haben: Sie liegen alle am Fluss, über 163,5 Stromkilometer verteilt. „Rhein-WeinWelt“ hat Perabo ihre Probier- und Verkaufsstation für Weine getauft, die am Rhein gewachsen sind. Im Namen klingt ihr Anspruch mit – klotzen statt kleckern. Ein recht imposantes Hirngespinst.
Allein schon von außen.

Die neue Attraktion für Wein liebende Touristen liegt gegenüber dem Bahnhof Rüdesheim in den historischen Lagerkellern der ehemaligen Asbach-Brennerei. Seit mehr als 20 Jahren liegt das denkmalgeschützte Industrieareal schon brach, Ideen und Investoren kamen und gingen, aber keiner blieb. „Als ich im Februar mit dem Umbau anfing, gab es hier weder Wasser noch Strom, dafür zentimeterdick Schimmel auf den Tanks“, erzählt die unerschrockene Unternehmerin. 70 000 Liter fassen die ehemaligen Weintanks, begehbare Räume, von denen mehrere Dutzend existieren, vom Boden bis zur Decke mit opak schillernden Originalglasfliesen ausgekleidet. Zwölf sind nun belegt mit hochmodernen „Dispensern“: Zapfanlagen, die den Wein optimal temperieren und frisch halten, indem sie ein geruchs- und geschmacksneutrales Edelgas zugeben, sobald man Inhalt entnimmt, um ein Oxidieren zu vermeiden. In den Kabinetten liegt bloß ein Schluck zwischen Rheinhessen und Rheingau: Riesling aus Niersteins Rotem Hang steht neben welchem vom Assmannshausener Schiefer. „Die Besucher sollen Freude am Verkosten haben und nicht in Schubladen denken“, meint die in Rüdesheim geborene Winzertochter. Als sie Anfang des Jahres mit ihrer Idee hausieren ging, rannte sie bei den angesprochenen Winzern offene Türen ein, erzählt sie. „Keiner sagte Nein.“

Auch für Randolf Kauer war es „gar keine Frage, ob man hier mitmacht“. Der Biowinzer aus Bacharach (Mittelrhein) hatte sogar schon über eine eigene Vinothek nachgedacht. Allerdings eine Nummer kleiner. Nun ist er begeistert von der Möglichkeit, sich mit einem trockenen Riesling Kabinett und einer feinherben Spätlese in Rüdesheim zu präsentieren. „Ein genialer Standort – hier ist immer was los“, freut sich Kauer. Kollege Jochen Ratzenberger hat einen Grauburgunder
im Gepäck. Der vermittelt seine Handschrift gut, wie er findet. Bei der Auswahl ließ Perabo freie Hand. So gibt es nicht nur verschiedene Rebsorten, sondern auch gereifte Weine zu probieren. Der Rheingauer Hans-Josef Becker etwa hat einen Riesling aus dem Jahr 2002 aus Walluf mitgebracht. Von Nierstein bis Königswinter reicht der Flussabschnitt, den die Besucher Glas für Glas genießen. Dazu müssen sie wie im Spielkasino zunächst Jetons für 10 oder 20 Proben (10/19 Euro) kaufen. Nach Einwurf einer Münze spuckt der Dispenser vom ausgewählten Wein einen Probeschluck à 0,04 Liter aus. Diese Menge reicht aus, um seinen Geschmack zu ergründen. Und sie lässt genügend Platz, um sich die lange Reihe entlangzutrinken. 

160 verschiedene Weine gibt es in der RheinWeinWelt zu probieren – und im Fall des Gefallens auch zu erwerben, ohne dass man dafür den Weg zum Winzer auf sich nehmen muss. Die Einkaufstaschen, in denen die Kunden ihre Flaschen nach Haus tragen können, stehen griffbereit. Um ihren Traum wahr zu machen, hat Perabo eine Summe im „mittleren sechsstelligen Bereich“ investiert. Sie speist sich aus Eigenkapital, einem Kredit und Fördermitteln des Weinbauamts Hessen. Klingt blauäugig, aber Perabo ist ein Profi im Weingeschäft: In den vergangenen zehn Jahren arbeitete sie als Vertriebsleiterin des Rheingauer Wein- und Sektguts Barth in Hattenheim. Das hat ihr Erfahrung und wichtige Kontakte eingebracht, von denen sie nun profitiert. Ohne Perabos Fähigkeit zu begeistern wäre die RheinWeinWelt wohl eine Vision geblieben. Aber die Winzer haben sich von ihrer Idee anstecken lassen, liefern ihre Weine auf Kommission. „Im Voraus hätte ich sie nicht bezahlen können“, sagt sie. Es ist das erste Mal, dass sie ungläubig den Kopf
schüttelt.

Quellenangabe: Nicole Mieding, Rhein-Zeitung, 09.10.2017

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